Innere-Klarheit-finden
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Innere Klarheit zu finden ist wichtig für stimmige Entscheidungen, ein ehrliches Ja oder Nein, unsere Richtung im Leben, authentisch kommunizierte Wünsche und Bedürfnisse. Antworten auf deine Fragen findest du nicht im Außen, sondern indem du wieder an dem Ort ankommst, der wie ein stiller und klarer See auf dich wartet: Bei dir.

Innere Klarheit ist wichtig für ein stimmiges Leben

Eine wichtige Entscheidung steht an. Du weißt nicht, ob du links, rechts, geradeaus oder doch querfeldein gehen sollst. Welcher ist der Weg, der für dich bestimmt ist? Und gibt es nur diesen einen?

Freundlich, unaufdringlich, zart flüstert es in dir, welcher Spur du folgen darfst. Was dich in deine Kraft bringt. Was du dir jetzt zutiefst wünschst und brauchst.

Doch der Lärm des Alltags tönt lauter: Dein Smartphone-Display leuchtet auf, E-Mails warten in deinem Postfach, Verpflichtungen und Erwartungen in Beruf, Familie, Ehrenamt, Freundeskreis rufen nach dir.

Welcher ist dein Ruf? Wie kommst du wieder bei dir selbst an? Wie findest du den Weg zurück in die Klarheit deines inneren Sees, der dich wieder erkennen lässt, was jetzt stimmig für dich ist?

Tipp 1: Beobachte deine Gedanken und Gefühle

Deine Gedanken und Gefühle sind wie Filter, durch die du die Welt um dich wahrnimmst. Die meisten Menschen tragen unverarbeitete Gefühle aus der Vergangenheit und automatisch ablaufende Gedankenmuster in sich. Beides kann unsere Entwicklung hemmen, wenn wir uns in destruktiven alten Gefühlen und Wiederholungen blockierender Gedanken verfangen.

Wie du deine Gedanken beobachtest

Nimm‘ dir regelmäßig zwei bis drei Minuten Zeit und schreibe deinen Gedankenstrom auf, z. B in ein Journal. Lies‘ das Geschriebene und frage dich bei Gedanken, die dich in deiner Entwicklung mehr hemmen als fördern: Was möchte ich stattdessen denken?

Unterteile eine Seite in deinem Journal in zwei Spalten: Schreibe in eine Spalte die Gedanken, die du wahrnimmst und in die Spalte daneben die Gedanken, die du anstelle dieser denken möchtest.

Das regelmäßige Beobachten deiner Gedanken kann dir helfen zu erkennen, dass Gedanken in dir da sind, doch dass du nicht deine Gedanken bist. Dass diese Stimme, dein Verstand, spricht, erzählt, kommentiert, bewertet. Dass allerdings nicht alles auch heute noch für dein Leben Gültigkeit hat und Vieles eine Geschichte ist, du dir neu, frisch und klar erzählen darfst.

Wie du deine Gefühle beobachtest

Nimm‘ dir regelmäßig kurze Auszeiten in deinem Alltag und spüre in dich hinein: Welches Gefühl ist gerade da? Für eine Einordnung kann die Unterscheidung der fünf Grundgefühle hilfreich sein, die Vivian Dittmar trifft in ihrem Buch „Gefühle & Emotionen – Eine Gebrauchsanweisung: Wie emotionale Intelligenz entsteht“:

  • Wut, Trauer, Angst, Freude und Scham.

Gehe vor einem Treffen, einem wichtigen Termin einen kurzen Moment in dich und frage dich: „Welche Gefühle sind gerade in mir da?“.

Die Wahrnehmung deiner Gefühle ist eine Möglichkeit, um zu erfahren, dass du Gefühle hast, diese beobachten, annehmen und auch wieder loslassen kannst, du aber nicht deine Gefühle bist.

Bitte beachte, dass sich hinter wiederkehrenden, intensiven negativen Gefühlen auch unverarbeitete Themen aus der Vergangenheit verbergen können. Achte auf dich und suche bei Bedarf eine professionelle Begleitung auf.

Tipp 2: Erlaube deinem Geist, zur Ruhe zu kommen

Unser Geist ist, so wie wir heute leben, ständig in Bewegung. Wir erfahren Realität in einem höheren Tempo, eine Vielzahl von Reizen prasselt auf uns ein, wir interpretieren und verarbeiten sie und suchen nach Lösungen für unsere Probleme.

Der See in deinem Inneren wird klarer, wenn im übertragenen Sinne nicht alle paar Sekunden ein Motorboot, Surfer oder andere Ablenkungen herumsausen. Solange dein Geist in stetiger Unruhe ist, kann ein klarer Blick in dein Inneres schwierig bis unmöglich sein.

Nimm‘ dir für mehr innere Klarheit bewusste Auszeiten vom Außen. Bereits ein paar Minuten mehrmals täglich können sehr wirkungsvoll sein. Erhol‘ dich, lass‘ los, nimm‘ dir Zeit für eine kurze Meditation, schließe für einen Moment die Augen.

Erlaube dir, für ein paar Momente nichts wissen, lösen oder „sein“ zu müssen. Was wäre, wenn du bereits geliebt, vollkommen und angekommen wärst, wo du sein möchtest? Was wäre, wenn du dich entspannen dürftest in diesen kostbaren Moment mit dem wichtigsten Menschen in deinem Leben: dir selbst.

Tipp 3: Verbringe wach und bewusst Zeit in der Natur

Um innere Klarheit zu finden, kann auch die Verbindung zur Natur hilfreich sein. Verbringe regelmäßig Zeit in der Natur und öffne deine Sinne für alles, was du wahrnimmst.

Lausche den Geräuschen um dich, spüre den Wind auf deiner Haut, fühle die Rinde eines Baumes, sieh‘ die Blüte einer Blume, betrachte die Biene, die sich darauf niedergelassen hat, um Nektar zu saugen.

Achte auf den Boden, auf dem du gehst, wie fühlen sich deine Schritte an? Gehst du schnell, langsam, in großen oder kleinen Schritten, in hastigem oder gemütlichem Tempo?

Ein Spaziergang oder eine Wanderung kann eine wunderbare Übung in Achtsamkeit und Präsent-Sein in diesem Moment, in der Gegenwart, sein. Dadurch, dass du dein Problem, deine Entscheidungssituation, deinen inneren Konflikt, für eine Zeit loslässt, können überraschende Eingebungen und Antworten auf dich warten.

Tipp 4: Beginne und beende deinen Tag bewusst

Ein Tag ist wie ein kleines Leben: Du wachst auf, beginnst den Tag, erlebst ihn, beschließt den Tag am Abend und gleitest in den Schlaf.

Eine Routine am Morgen kann dir helfen, in einem guten Kontakt zu dir selbst zu sein und mit dieser inneren Anbindung in den Tag zu gehen. Du kannst deinen Körper sanft wecken durch ein paar Übungen. Und deinen Geist für den Tag auf das ausrichten, was dir wichtig ist.

Beispiel für eine Morgenroutine:

  • Eine kurze Yoga- oder Fitnesseinheit, etwas was dir in Intensität und Dauer guttut, um deinen Körper zu bewegen und „wach zu küssen“
  • Ein paar Minuten in Stille sitzen und lauschen. Aufsteigende Gedanken, Bilder, Gefühle kannst du in einem Journal festhalten.
  • Eine Absicht formulieren für den Tag, das heißt, etwas, auf das du dich an diesem Tag ausrichtest. Das kann z. B. sein: sanft mit mir sein, authentisch kommunizieren, auf die Grenzen achten, die mein Körper mir aufzeigt.

Eine Routine am Abend kann dir helfen, die Erlebnisse des Tages loszulassen, friedvoll und tief zu schlafen. Du kannst deinen Körper zur Ruhe kommen lassen. Dir vergegenwärtigen, wofür du dankbar bist, was dir an diesem Tag gut gelungen ist und was du gerne loslassen möchtest.

Beispiel für eine Abendroutine:

  • In ein Journal notieren: „Wofür bin ich dankbar?“ „Was ist mir heute gut gelungen?“ „Was möchte ich loslassen?“
  • Eine Yoga-Einheit, die deinen Körper zur Ruhe kommen lässt oder eine geführte Meditation, die dich sanft in den Schlaf gleiten lässt

Tipp 5: Stell’ Fragen und lass’ los, damit Antworten dich finden können

Um innere Klarheit zu finden, können klar formulierte Fragen zusammen mit einer klaren Absicht sehr wirkungsvoll sein. Welche Fragen stellst du dir, an welcher Stelle wünschst du dir Klarheit in deinem Leben?

Formuliere eine Frage und nimm‘ sie mit in deinen Tag. Sei wach und präsent, achte auf Situationen, Menschen, deine Gedanken, Gefühle, Impulse, alles was du im Außen und in deinem Inneren wahrnehmen kannst.

Du kannst die Frage auch unmittelbar bevor du in den Schlaf gleitest, stellen. Es muss nicht, kann aber sein, dass du unerwartet Antworten erhältst, ob in einem Traum oder am Morgen, wenn du in dich und in die Weite lauschst.

Es mag sich seltsam anhören, doch ich bin der Meinung, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir uns über unseren Verstand allein nicht erklären können. Das hat für mich nichts mit Aberglauben zu tun, sondern mit einer Intelligenz, die anders arbeitet und andere Zusammenhänge erfasst als unser Verstand es vermag.

Innere Klarheit finden: Dem Leben vertrauen

Abschließend möchte ich dich und mich daran erinnern, dass es auch Zeiten geben darf, in denen Dinge unklar sind. Dass in jeder Unklarheit Dinge liegen, die klar sind. Und dass all das zu unserer Erfahrung als Mensch dazugehört.

Manchmal steht es an, uns in Geduld zu üben. Dem Leben zu vertrauen. Uns auf der Suche nach Klarheit einem natürlichen Rhythmus des Lebens anzuvertrauen, der uns Erkenntnisse und Antworten finden lässt, wenn die Zeit reif dafür ist.

Mit den Worten des Dichters Rainer Maria Rilke ausgedrückt:

[…] reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht ohne die Angst, daß dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch. Aber er kommt nur zu den Geduldigen, die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge, so sorglos still und weit. Ich lerne es täglich, lerne es unter Schmerzen, denen ich dankbar bin: Geduld ist alles!

Rainer Maria Rilke
(aus: “Briefe an einen jungen Dichter”, http://www.rilke.de/briefe/230403.htm)

Alles Liebe zu dir
Constanze