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Hochsensibel im Beruf in 2020: Dieses Jahr hielt keine leichten Lektionen für uns bereit. Es gab Raum für in-sich-Gehen und Transformation – aus freien Stücken oder auch, weil die Umstände uns keine Wahl ließen.

In diesem Beitrag erzähle ich dir von meinem Weg, den ich als Hochsensible im Beruf in 2020 zurückgelegt habe. Über (erneute) Kündigung, Arbeitslosigkeit und hin zu einem Weg, auf dem endlich immer mehr mein Herz in Führung geht.

Hochsensibel im Beruf in 2020: Change it, accept it or leave it

Inmitten des ersten Lockdowns hatte ich eine vielversprechende Stelle in einem Konzern, die allerdings schon nach kurzer Zeit drohte, mich auszubrennen. Die Ausrichtung auf Wachstum und Umsatzsteigerung um jeden Preis, Führung über Kontrolle und Manipulation und eine Ellbogenkultur ließen mich heftige innere Konflikte durchleben.

Die Situation brachte mich schnell an meine Grenzen. Ich machte auf die Missstände und die destruktive Unternehmenskultur aufmerksam und suchte das Gespräch. Ich dachte, ich könnte oder müsste sogar etwas bewirken.

„Du musst nicht alle retten. Rette erstmal einen. Rette dich.“ Diese Einschätzung hörte ich von einem Bekannten. Für mich ergänzte ich sie später mit …

„Du kannst niemandem helfen, wenn du selbst kraftlos bist. Zieh‘ deine Energie vom Außen ab. Komm‘ wieder bei dir an und in deine Kraft. Und wieder in deiner Kraft stehend – setze dich für positive Veränderung ein.“

Ein Coaching half mir zu erkennen, dass ich als feinfühliger Mensch wertvolle Gaben und ein großes Potenzial zu verschenken habe. Und dass ich auf mich achten darf und muss, um dieses Potenzial und meine Gesundheit nicht zu gefährden.

Ich verließ die Stelle ohne etwas Neues in Aussicht zu haben oder auch nur zu wissen, wohin es gehen kann. Und obwohl ich mich für mein „Versagen“ schämte, Angst hatte vor einem erneuten Knick in meinem Lebenslauf, vor finanziellen Einbußen und vor der Reaktion meines Umfelds.

Die ausführliche Version meines steinigen Wegs zur Erkenntnis, hochsensibel zu sein, findest du im Beitrag Wie ich nach zwei Kündigungen ohne neuen Job zu meiner Hochsensibilität fand.

Im Nachhinein hört sich „leave it“ so leicht und schlüssig an … doch ich hatte das Gefühl, wie in einem freien Fall zu sein. Ins Nirgendwo.

Etwas in dir, mir und uns allen ist größer und kraftvoller als jede Krise

Dies war bereits meine zweite selbst herbeigeführte Arbeitslosigkeit innerhalb eines Jahres. Trotz toller Noten, Ausbildungen und Zertifikaten hatte ich große Selbstzweifel. Ich verurteilte mich, mit einer erneuten Kündigung in der Probezeit schon wieder die Notbremse gezogen zu haben. Ich warf mir vor, es in keinem Umfeld lange auszuhalten, dass etwas mit mir „offensichtlich nicht stimme“.

Doch es gab etwas, eine kleine Stimme, ein Aspekt in mir – etwas, das tiefes Vertrauen hatte in mein Potenzial. Auch wenn es noch so schwach war in manchen Momenten und von Stimmen übertönt wurde, die mich klein machten.

Etwas in mir kümmerte es nicht, ob ich Hartz IV empfing, mich als Versagerin fühlte nach zwei Kündigungen ohne neuen Job und zuvor bereits Zickzacks in meinem Lebenslauf erlebt und herbeigeführt hatte.

Etwas in mir schert sich nicht um Zertifikate, Stellenbezeichnungen und Äußerlichkeiten. Etwas in mir erfasst mich tiefer.

Als wertvollen Teil von etwas Größerem. Der Umwege gehen darf, fallen und wieder aufstehen darf, der die in sich wiedergewonnene Stärke als Kraft einsetzen darf, um etwas Neues und für andere Dienliches zu erschaffen.

Etwas in dir erfasst dich tiefer. Es schert sich nicht um Äußerlichkeiten. Es erfasst dich in jedem Moment als wertvollen und einzigartigen Teil eines unergründlichen faszinierenden Ganzen.

Das Wesentliche erkennen: Wer bin ich, wenn ich „niemand“ bin

Als ich arbeitslos war, war ich jeden Tag in der Natur. Ich schrieb, ich las Bücher, ich spürte in mich rein, dachte nach, ich nahm Kontakt auf. Mit mir. Mit der Natur. Ich stellte Fragen. Was soll ich hier. Wer bin ich, wenn ich keine Stellenbezeichnung habe und nicht weiß, welche es überhaupt sein soll.

Diese Fragen kamen nicht zum ersten Mal auf. Als ich vor drei Jahren ein enges Familienmitglied an Krebs verlor und ein weiteres enges Familienmitglied an Krebs erkrankte, wurde mir bewusst, dass ich nicht hier bin, um möglichst bequem durch diese „Nummer“, genannt Leben, durch zu kommen.

Wenn ich ein „Niemand“ war, schrieb ich. Schreiben hatte mir immer geholfen, mich wieder zu finden und Krisen zu überstehen. Erlebnisse zu verarbeiten.

Also tat ich, was ich liebte, und fing diesen Blog an. Schreiben. Mich entwickeln. Menschen dabei begleiten, sich zu entwickeln. Es war immer da. Nur suchte ich immer anderswo – da draußen, in Titeln, Stellen, Zertifikaten, in dem was andere Menschen taten und sagten … 

Beginnen – trotz Angst

Im Coaching habe ich herausgearbeitet, was für ein Umfeld ich als feinfühliger Mensch brauche. Dass ich mich mit Leichtigkeit in verschiedene Aufgabengebiete einarbeiten und mir Wissen aneignen kann und dass die Rahmenbedingungen, Arbeitsatmosphäre, Kultur für mich entscheidend sind.

Ich absolvierte nicht wenige Bewerbungsgespräche und bewarb mich immer wieder auf die bereits ausgeschriebenen Stellen. Bis ich endlich anfing, gezielt nach Unternehmen zu suchen, die mir in Bezug auf Kultur, Umfeld und dem, was sie tun, zusagten.

Meine neue Stelle war nicht ausgeschrieben und ich ergatterte sie, da ich einfach in dem Unternehmen anrief, das ich zufällig gefunden hatte. Ich war ziemlich nervös vor dem Anruf und nicht gerade eloquent am Telefon. Aber ich habe mich meinen Ängsten gestellt. Und es hat geklappt.

Im August habe ich eine neue Stelle in Teilzeit begonnen, die mir Spaß macht in einem netten Team und angenehmen Umfeld und mir Freiraum lässt für eigenverantwortliches Arbeiten.

Trotz Angst vor dem Scheitern, vor dem Moderieren und Sprechen vor Gruppen, vor Ablehnung … habe ich eine Meetup-Gruppe für feinfühlige Menschen gegründet. Und tolle Menschen getroffen, als Teilnehmende und Speaker|innen. Trotz Nervosität habe ich mein erstes Webinar zum Thema „Hochsensibilität“ gehalten.

Um in der aktuellen sehr herausfordernden Zeit die beste Wegbegleiterin zu werden, die ich sein kann – ob beruflich oder privat – bin ich ab Februar 2021 in einer einjährigen integral ausgerichteten Coaching-Ausbildung.

Ich werde feinfühlige Menschen begleiten – in meiner meetup-Gruppe, mit diesem Blog, in 1:1-Gesprächen und Gruppensettings.

Hochsensibel und kraftvoll im Beruf ins Jahr 2021

Ich mache die Erfahrung, dass das Wirken in meinen Herzensthemen mich unglaublich bereichert und eben  nicht ausbrennt. Dass ich zu so viel mehr fähig bin, als ich dachte. Und dass noch so viel mehr folgen wird in 2021.

Der Plan für 2021? Entfalte dich. Zusammen mit anderen feinfühligen Menschen – in unsere feinfühlige Power. Es braucht uns da draußen. Gerade jetzt.

Herzliche Grüße
Constanze